Sicher verhüten

Verhütungssicherheit ist messbar! Für eine Bewertung nutzt man den sogenannten Pearl-Index. Hier erfährst du mehr über die Zuverlässigkeit verschiedener Verhütungsmethoden.

Der Pearl-Index: Maßstab für Verhütungssicherheit

Der Pearl-Index

Je niedriger, desto besser

Das Maß für die Zuverlässigkeit einer Verhütungsmethode bezeichnet man als Pearl-Index , benannt nach dem amerikanischen Biologen Raymond Pearl (1879–1940). Der Index nennt die Zahl der Schwangerschaften, die laut Statistik eintreten, wenn hundert Frauen ein Jahr lang ein bestimmtes Verhütungsmittel anwenden und trotz der Anwendung des jeweiligen Verhütungsmittels schwanger werden. Eigentlich ganz einfach: Je kleiner der Wert, desto zuverlässiger bzw. sicherer ist die Methode!

Ein Beispiel: Der Pearl-Index bei korrekter Anwendung des Kondoms beträgt bis zu 2. Das heißt, trotz richtiger Anwendung des Kondoms werden bis zu 20 von 1.000 Frauen in einem Jahr ungewollt schwanger. Zumindest theoretisch, denn in der Praxis sind es noch viel mehr: nämlich 180 von 1.000 Frauen.

Welche Verhütungsmittel sind eigentlich die sichersten?






Pearl-Index Theorie und Praxis

Theorie und Praxis

Beim Pearl-Index geben Verhütungsmittelhersteller die „reine Methodensicherheit“ an, ohne die typischen Anwendungsfehler oder Begleitumstände zu berücksichtigen. Von denen hängt es aber letztlich ab, wie sicher eine Methode in der Praxis ist. Man betrachtet die perfekte gegenüber der typischen bzw. normalen Anwendung.

Betrachten wir unter diesen Umständen die Sicherheit von Pille und Kondom, so sieht es deutlich anders aus als in der perfekten „Theorie“:
Obwohl laut Hersteller nur drei von 1.000 Pillenanwenderinnen pro Jahr ungewollt schwanger werden, sind es in Wirklichkeit bis zu 90. Gründe dafür können vergessene oder verspätete Einnahme, Magen-Darm-Beschwerden oder mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sein.

Noch unsicherer ist das Kondom. Nicht weniger als bis zu 180 von 1.000 Frauen werden trotz Anwendung eines Kondoms pro Jahr ungewollt schwanger!

Zuverlässige hormonelle Langzeitmethoden

Sehr zuverlässig: hormonelle Langzeitmethoden

Zu den Methoden, die in der Praxis genauso sicher sind wie vom Hersteller angegeben, gehören neben der Sterilisation das Hormonimplantat (auch: Hormonstäbchen), die Kupferspirale/Kupferkette und das Verhütungsschirmchen.

Der vom Hersteller angegebene Pearl-Index für das Verhütungsschirmchen liegt bei 2-4 und auch in der Realität werden pro Jahr nicht mehr als zwei bis höchstens vier von 1.000 Anwenderinnen schwanger. Das Hormonimplantat gilt mit einem theoretisch wie praktisch identischen Pearl-Index von 0,5 als ebenso sicher. Allerdings gibt es auch eine deutlich höhere Hormonmenge in den Körper ab, d. h., es wirkt im Gegensatz zum Verhütungsschirmchen nicht lokal verhütend, sondern im gesamten Körper.

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Pearl-Index als Maß der Fruchtbarkeit

Auch ein Maß für Fruchtbarkeit

Übrigens ist der Pearl-Index bei regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr auch ein Maß für die Fruchtbarkeit.

So beträgt die Schwangerschaftsrate etwa „85“ bei 20-jährigen Frauen, „50“ bei 35-jährigen Frauen und ungefähr „30“ bei 40-jährigen Frauen, d. h., mit 20 kann man leichter schwanger werden als mit 40.

Anders ausgedrückt: 85 von 100 nicht verhütenden 20-jährigen Frauen werden innerhalb eines Jahres wie gewollt schwanger, unter den nicht verhütenden 40-jährigen Frauen sind es 30 von 100.

Wie sicher ist welche Methode?

Der Pearl-Index kann variieren, da er sich zum einen auf die perfekte, fehlerfreie Anwendung, zum anderen aber auf die typische Anwendung in der Praxis beziehen kann. Er gibt die Zahl von Schwangerschaften an, die eintreten, wenn 100 Frauen ein Jahr lang mit einer bestimmten Methode verhüten.

Um sich die teilweise kleinen Zahlen besser vorstellen zu können, haben wir für dich die Zahlen nicht auf 100, sondern auf 1.000 Frauen bezogen. So bedeutet ein Pearl-Index von 0,2, dass 0,2 von 100 bzw. zwei von 1.000 Frauen in einem Jahr trotz perfekter Anwendung des jeweiligen Verhütungsmittels schwanger werden. Aber wer ist schon perfekt? Anwendungsfehler können passieren und gehören zum gelebten Alltag.

Als „typisch“ bezeichnet man deshalb den Wert, der einer realen – nicht perfekten – Anwendungssituation entspricht.

(Quelle: J. Trussell/Contraception 83 (2011) 397–404)


Verhütungsmethode Von 1.000 Frauen werden innerhalb des ersten Anwendungsjahres ungewollt schwanger
perfekt typisch
Keine Verhütung 850 850
Kondom für den Mann 20 bis 180
Kombinationspille und Gestagenpille 3 bis 90
Hormonpflaster 3 bis 90
Verhütungsring 3 bis 90
Dreimonatsspritze 2 bis 60
Kupferspirale/Kupferkette 6 bis 8
Sterilisation (Frau) 5 5
Verhütungsschirmchen/Hormonspirale 2 bis 4 2 bis 4
Hormonimplantat 0.5 0.5
Diaphragma 6 12

siehe auch: www.glowm.com

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