Mythen rund ums Thema Verhütung

Cola tötet Spermien und bei Sex in heißem Wasser kann nichts passieren ...!? Manche Verhütungsmythen halten sich selbst im 21. Jahrhundert noch hartnäckig.

Wir klären euch über die „populärsten“ Missverständnisse auf

Die PILLE ist die sicherste Verhütungsmethode.

Das war einmal ...

44 Prozent der Frauen haben in den letzten drei Monaten mindestens einmal vergessen, die Pille einzunehmen.*

Bis zu 90 von 1.000 Frauen werden pro Jahr schwanger, obwohl sie die Pille nehmen! Gründe dafür können Vergessen, verspätete Einnahme oder Magen-Darm-Beschwerden sein. Diese Unregelmäßigkeiten bei der Einnahme können die Verhütungssicherheit der Pille stark beeinflussen. Ebenso kann die Einnahme bestimmter Arzneimittel (wie Antibiotika, Johanniskraut-Extrakte oder auch Mittel gegen Epilepsie oder HIV) den Abbau des Pillenwirkstoffs beschleunigen und somit die Verhütungssicherheit der Pille herabsetzen.

Moderne Langzeitverhütungsmethoden bieten einen Empfängnisschutz über einen längeren Zeitraum bis zu mehreren Jahren – Einnahmefehler wie z.B. das Vergessen sind dabei ausgeschlossen.

* Quelle: Kantar Health – Verhütungssituation Deutschland 2014. Publiziert im „Frauenarzt“ 2015.

Frauen müssen jeden Monat bluten?

Von wegen!

Jeden Monat zu bluten hat aus medizinischer Sicht keinen Vorteil!

Blicken wir in der Zeitrechnung etwas zurück, stellen wir fest, dass die Menstruationsblutung später einsetzte, Frauen früher und mehr Kinder bekamen und länger stillten. Historisch betrachtet haben Frauen also noch nie so viel geblutet wie heute (ca. 450 Mal im Leben).

Somit ist es kein Nachteil, aufgrund von hormoneller Verhütung eine schwächere oder ganz ausbleibende Menstruation zu haben. Bei Frauen, die hormonell verhüten, wird der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut durch die Hormone des Verhütungsmittels vermindert oder eventuell ganz unterdrückt. Daher fällt die Regelblutung dann mitunter kürzer, schwächer oder manchmal ganz aus. Davon profitieren insbesondere Frauen mit einer sehr starken Regelblutung.

Regelmäßig eine Pillenpause?

Das ist Schnee von gestern.

„Pillenpausen“ sind nicht sinnvoll, sie können sogar schaden!

Die Einnahme aller Pillen ist mit einem leicht erhöhten Thromboserisiko verbunden. Was die wenigsten wissen, ist, dass dieses Risiko kurz nach dem Beginn der Pilleneinnahme am höchsten ist und mit weiterer Einnahme sinkt. Werden also in regelmäßigem Abstand mehr als vierwöchige Anwendungspausen eingelegt, steigt das Risiko, eine Thrombose zu erleiden, jeweils mit dem Neubeginn der Einnahme wellenartig (wieder) an. Das Thromboserisiko wird also durch die „Pillenpause“ unnötig (wieder) erhöht.

Studien* haben außerdem gezeigt, dass 79 bis 95 Prozent der Frauen nach Absetzen der Pille innerhalb eines Jahres also ihrem Alter entsprechend wieder schwanger werden. Somit ist eine Pillenpause zur Verbesserung der Empfängnisfähigkeit nicht notwendig, da die Fertilität nach dem Absetzen der Pille auf ihr normales Niveau zurückkehrt.

* Quelle: Nach Wiegratz et al. Fertil Steril 2006; 85: 1812–1819, 652 Frauen; kombiniertes orales Kontrazeptivum mit 0,03 mg Ethinylestradiol und 2 mg Dienogest

Spiralen sind doch eh alle gleich!?

Eben nicht!

Spirale ist nicht gleich Spirale!

Noch immer denken viele Frauen sofort an die Kupferspirale, wenn es um Spiralen geht, wobei die Blutung bei Verwendung einer Kupferspirale aufgrund der nichtbakteriellen Entzündungsreaktion gegen die freigesetzten Kupferteilchen meist stärker, länger und auch schmerzhafter wird. Auch ist die Verhütungssicherheit von kupferhaltigen Verhütungsmitteln nicht so hoch wie diejenige von hormonhaltigen, weshalb die „Generation unserer Mütter“ sehr häufig große Vorbehalte gegen Spiralen hat.

Moderne Spiralen dagegen, sogenannte Intrauterinsysteme (IUS, auch Verhütungsschirmchen genannt), setzen kontinuierlich geringste Mengen eines Hormons lokal in die Gebärmutter frei. Die monatlichen Blutungen unter einem Verhütungsschirmchen können damit schwächer, kürzer, seltener und auch weniger schmerzhaft werden. Der natürliche Hormonhaushalt wird nicht beeinflusst und der Zyklus bleibt meist erhalten. Spiralen unterscheiden sich also deutlich in der Wirkweise.

Die Einlage einer Spirale ist sehr unangenehm.

Stimmt so nicht!

Fakt ist: Jede Frau empfindet anders.

Laut einer Studie* verspürten 94 Prozent der Hormonspiralträgerinnen bei der Einlage kein oder nur ein leichtes Ziehen im Unterbauch, wie bei der Monatsblutung.

* Quelle: 3 Jensen JT et al. Contraception 2008;77:22–29

Die Spirale ist nichts für junge Frauen.

Eben doch!

Es gibt kein „Eintrittsalter“ für die Spirale!

Das Verhütungsschirmchen kann auch für junge Frauen eine gute Alternative sein. Vor allem, wenn diese mit ihrer aktuellen Methode nicht optimal zurechtkommen – also z.B. die Einnahme der Pille vergessen oder auch schon einmal auf Notfallverhütung zurückgreifen mussten.

Die hohe Verhütungssicherheit des Verhütungsschirmchens, kein tägliches „Dran-denken- müssen“ sowie meist kürzere, schwächere und weniger schmerzvolle Blutungen können das Leben junger Frauen stark erleichtern. Bei einem Kinderwunsch kann das Verhütungsschirmchen jederzeit entfernt und die Frau bereits im Folgemonat ihrem Alter entsprechend wieder schwanger werden.

Falls du wissen möchtest, ob das Verhütungsschirmchen infrage kommt, sprich mit deinem Frauenarzt/deiner Frauenärztin.

Sex während der Periode ist „sicher“.

Wer’s glaubt!

Eine Befruchtung ist grundsätzlich auch während der Monatsblutung möglich!

Tatsächlich variiert die Länge des Zyklus von Frau zu Frau zwischen 21 und 35 Tagen. Der Eisprung kann zwischen dem 7. bis 21. Zyklustag liegen. Weil zudem die Lebensdauer von Spermien – im wahrsten Wortsinn – unberechenbar ist und mehrere Tage betragen kann, kann ungeschützter Sex quasi vom ersten Tag der Periode an zu einer Schwangerschaft führen.

Wer sicher nicht schwanger werden möchte, sollte daher immer und ohne Ausnahme verhüten.

Während des Stillens kann man nicht schwanger werden.

Eben doch!

Ungeschützter Sex während der Stillzeit hat schon manchem den nächsten Nachwuchs beschert!

Der Irrglaube, dass stillende Frauen nicht schwanger werden können, entwickelte sich über viele Generationen: In früheren Zeiten war sexueller Kontakt bis lange Zeit nach der Geburt verpönt. Da die Mütter in dieser Zeit ihren Säugling stillten, festigte sich die Annahme, das Stillen sei der Grund für die ausbleibende erneute Schwangerschaft. Tatsächlich hat das Stillen einen hemmenden Einfluss auf die Fruchtbarkeit bzw. auf den Eisprung. Doch die stillende Mutter weiß erst im Nachhinein sicher, ob sie einen Eisprung hatte, nämlich erst dann, wenn die erste Regelblutung – ca. zwei Wochen nach dem Eisprung – einsetzt.

Wer kein Risiko eingehen möchte, sollte deshalb auch während der Stillzeit verhüten.

Stillende Frauen dürfen nicht hormonell verhüten.

Stimmt so nicht ...

Es kommt auf die Hormone an!

Nicht angewandt werden sollten Präparate, die Östrogene enthalten, weil das Hormon Einfluss auf die Milchbildung haben kann. Möglich sind hingegen Gelbkörperhormone. Bereits sechs Wochen nach der Geburt kann z.B. ein Verhütungsschirmchen zur sicherenKontrazeption genutzt werden. Es wird vom Arzt/von der Ärztin in die Gebärmutter eingelegt und schützt dort sicher vor einer Schwangerschaft. Mit dem Verhütungsschirmchen fallen Anwendungsfehler – wie z.B. das Vergessen der Einnahme – weg. Auch die Dreimonatsspritze, die östrogenfreie Gestagenpille und das Hormonimplantat kommen während der Stillzeit als Verhütungsmethode in Betracht.

Dein Frauenarzt/deine Frauenärztin klärt dich gerne auf.

Cola-Spülung tötet Spermien.

So’n Quatsch!

Cola ist kein Verhütungsmittel!

1980 stellte eine amerikanische Medizinerin fest, dass Samenzellen absterben, wenn man sie in ein Glas Cola gibt. Diese Erkenntnis wurde sogar in einem renommierten, medizinischen Fachjournal* veröffentlicht und fand auch in der Presse Beachtung. Ein Mythos war geboren! Obwohl Cola im Reagenzglas Spermien abtötet, taugt sie keinesfalls als Verhütungsmittel. Denn eine Scheidenspülung mit Cola hat natürlich keinesfalls denselben Effekt.

Tatsache ist: Samenzellen verschwinden nach dem Sex in Sekunden im Gebärmutterhals und gelangen damit außer Reichweite einer Scheidenspülung.

* Quelle: Studie veröffentlicht im New England Journal of Medicine, 1985

Bei Sex in heißem Wasser kann nichts passieren

oder doch?

Männer sind auch im Badewasser zeugungsfähig!

Tatsache ist, dass Temperaturen, die höher als die menschliche Körpertemperatur sind, Spermien in ihrer Anzahl und Qualität beeinflussen können. Trotzdem muss auch in heißem Wasser an Verhütung gedacht werden! Bei bis zu 400 Millionen Spermien pro Samenerguss können immer einige robuste Exemplare überleben und in Richtung Eizelle wandern. Auch wer glaubt, dass Männer nach dem Baden oder der Sauna nicht zeugungsfähig sind, irrt.

Fest steht: Eine spermafeindliche Wirkung hoher Temperaturen ist nur temporär: Samenzellen werden permanent nachproduziert.

Ein Tampon stoppt Spermien.

Äh, nein!

Tampons sind keine Verhütungsmittel!

Viele Frauen glauben, dass ein Tampon zu den „mechanischen Verhütungsmethoden“ gehört und eine Barriere gegen Spermien darstellt. Es gibt allerdings nur zwei wirklich wirkungsvolle „Barrieren“, die bei korrekter Anwendung eine höhere Sicherheit bieten: erstens Kondome. Diese weisen eine extreme Dichte auf, die auch von Spermien nicht durchdrungen werden kann. Zweitens Pessare, die zusätzlich mit einer spermiziden Creme versehen werden. All dies ist bei einem Tampon nicht gewährleistet. Aber auch diese sichereren mechanischen Methoden sind nicht so sicher wie hormon- oder kupferhaltige. Dabei kann aber nur das Kondom vor sexuell übertragbaren Erkrankungen schützen und ist deswegen immer beim Safer-Sex notwendig.

Fakt ist: Ein Tampon ist kein Verhütungsmittel und schützt nicht vor Schwangerschaft.

Wenn ER aufpasst, kann nichts passieren.

Das geht schief.

WER passt dann aufs Kind auf?

Der „Coitus interruptus“ (wörtlich übersetzt „unterbrochener Beischlaf“) ist keine Verhütungsmethode, wird jedoch noch heute oft von Paaren angewendet. Er stellt allein den Versuch dar, eine Schwangerschaft zu vermeiden, indem der Mann seinen Penis vor dem Samenerguss aus der Scheide zieht und die Samenflüssigkeit nicht in die Vagina gelangt.

Tatsache ist: Bereits vor der Ejakulation können Spermien vom Mann unbemerkt mit dem sogenannten „Lusttropfen“ aus der Harnröhre austreten!

Die „Pille danach“ wirkt immer.

Nein, tut sie nicht.

Achtung bei mehrfacher Anwendung!

Die „Pille danach“ ist kein Verhütungsmittel, sondern ein Notfallmedikament. Sie ist ausschließlich zur sporadischen Anwendung gedacht und sollte keinesfalls eine regelmäßige Verhütung ersetzen. Die wiederholte Anwendung innerhalb eines Zyklus ist wegen einer zu hohen Hormonbelastung und einer unter Umständen eingeschränkten Wirksamkeit nicht zu empfehlen.

Wichtig: In jedem Fall muss nach der Anwendung der „Pille danach“ weiter mit einer Barrieremethode verhütet werden, denn sie schützt nicht vor einer Empfängnis im weiteren Verlauf des Zyklus, da sie den Eisprung nur verschiebt. Es empfiehlt sich grundsätzlich, einen Arzt oder Apotheker zu befragen.