Sex and Science

© Debby Wong/Shutterstock.com

Kann man zuviel Sex haben?

Tiger Woods leidet daran. Michael Douglas angeblich auch. Charlie Sheen sowieso. Immer mehr prominente Amerikaner machen öffentlich, dass sie an „Sexsucht“ leiden. Gibt es die wirklich? Oder ist das nur eine Ausrede notorischer Schürzenjäger, wenn sie wieder einmal beim Turnen durch fremde Betten erwischt wurden?

Offiziell als Krankheitsbild anerkannt ist Sexsucht tatsächlich nicht. Die meisten Psychotherapeuten gehen allerdings davon aus, dass es sie gibt. Allerdings sprechen sie lieber von Hypersexualität. Und die ist wohl gar nicht so selten. Neueren Studien zufolge leiden etwa 3 bis 6 Prozent der Bevölkerung in einer Phase ihres Lebens an Hypersexualität. Männer sind – wen wundert´s – dreimal häufiger betroffen als Frauen.

Wieviel Sex ist nun zu viel? Falsche Frage! Es kommt nicht darauf an, wie häufig man Sex hat oder wieviel Zeit man ggf. mit einschlägigen Filmchen verbringt. Wichtig sind die Konsequenzen. Führt der exzessive Konsum von (zumeist anonymer) Sexualität dazu, dass mir mein Leben mehr und mehr entgleitet? Für alle, die jetzt nachdenklich werden: Im Internet gibt es Möglichkeiten sich auch über diese Thematik zu informieren und bei Bedarf Hilfe zu suchen.

In einer weiteren Kolumne widmen wir uns dann einmal der anderen Seite: Asexualität – Keine Lust, nie. Solche gibt´s auch.

ein Beitrag von
Prof. Bernd Kleine-Gunk

Der namhafte Gynäkologe aus Fürth kennt sich mit der schönsten Nebensache der Welt nicht nur fachlich bestens aus, sondern ist auch ein begnadeter Autor mit einem speziellen Humor.

© Soumya Benkacem Photography/GettyImages

Erotisch-poetischer Orient

Wer über Sex schreibt, der hat in unserem Kulturkreis ein Problem: Weder für die männlichen noch für die weiblichen Geschlechtsorgane gibt es wirklich schöne Bezeichnungen. Entweder man verwendet Begriffe wie Penis oder Vagina. Das klingt dann so medizinisch, dass man den Autor im weißen Kittel vor sich sitzen sieht. Oder aber man verwendet eine der vielen deutschen Bezeichnungen. Die sind nur meist ziemlich ordinär.

Das ist in anderen europäischen Sprachen kaum anders. Im Englischen ist die „Pussy“ verbreitet, die auch im deutschen noch zu den netteren Vokabeln zählt. Alle anderen Begriffe sind dann schon arg vulgär. Unsere französischen Nachbarn sind diesbezüglich auch nicht viel einfallsreicher. Sie bevorzugen „La chatte“ was in etwa der Pussy entspricht. Und die heißblütigen Spanier sprechen zumeist von „El Cono“, was wir hier besser erst gar nicht übersetzen wollen. Es ist zum Verzweifeln.

Und doch gibt es einen Kulturkreis, der für das weibliche Geschlecht eine wirklich poetische Sprache hat. Diese Sprache ist das Arabische. Dort gibt es derart poetische, fantasiereiche und auch humorvolle Bezeichnungen für das weiblichste aller Organe, dass man als Europäer nur bewundernd niederknien kann. „El hacene“ (die Wunderschöne) gefällt mir besonders gut. Abou belaoum (das Leckermaul) hat geradezu kulinarische Qualität. „El Neuffakh“ (die, die anschwellen lässt) bezieht auch den männlichem Partner mit ein. Wer die letzte Kolumne über den Kitzler gelesen hat, wird diese Bezeichnung mögen: „Abou khochime“ (die mit der Stupsnase). Und schließlich noch eine Bezeichnung, von der ich dringend rate, sie umgehend in die europäischen Kultursprachen zu übernehmen: „El laidi“ (die Entzückende).

Auch als Abendländer muss man diesbezüglich kleinlaut zugestehen: Den sprachlichen Reichtum, mit dem das Arabische das weibliche Geschlecht umschreibt, haben wir in unseren Breiten nicht einmal in Ansätzen.

ein Beitrag von
Prof. Bernd Kleine-Gunk

Der namhafte Gynäkologe aus Fürth kennt sich mit der schönsten Nebensache der Welt nicht nur fachlich bestens aus, sondern ist auch ein begnadeter Autor mit einem speziellen Humor.

© Yuliya Yafimik/Shutterstock.com

Kein Sex ist auch eine Lösung

Gibt es in unserer hypersexualisierten Gesellschaft noch eine Form von Sex, über die man nicht spricht? Wenn, dann ist es wahrscheinlich dies: Keinen Sex zu haben – und dabei auch nichts zu vermissen.

Asexuelle Menschen empfinden keinerlei Verlangen nach Sex. Nie. Das wird von vielen als seltsam empfunden. Die Asexuellen selbst betrachten die Unlust als Teil ihrer Persönlichkeit und kämpfen inzwischen dafür, dass Nichtsexualität als besondere Form von Sexualität anerkannt wird. Schätzungsweise einer von 100 Menschen ist asexuell. Leiden tun die Betroffenen darunter nicht. Sie sind nur häufig genervt, wenn sie sich – ähnlich wie Veganer – ständig dafür rechtfertigen müssen, dass sie etwas nicht wollen. Oder wenn sie sich zum x-ten Mal den Satz anhören müssen: Du hast halt den Richtigen (die Richtige) noch nicht gefunden.

Dabei sind Asexuelle durchaus keine gefühlsarmen Menschen. Sie trennen lediglich Liebe und romantische Gefühle von Sex. In einem offenen Brief beschrieb der asexuelle Alex seinen Traum von einer perfekten Beziehung folgendermaßen. „Ich möchte mit meiner Partnerin nämlich nur zusammen vor dem Fernseher einschlafen, einen Bausparvertrag abschließen, eklige Tofugerichte kochen und dann doch ins Restaurant gehen, ein Katze adoptieren, unsere Anfangsbuchstaben in einen Baum ritzen und hin und wieder ein Küsschen austauschen“.

Alex, mach Dir keine Gedanken. Genauso sehen nach einigen Jahren viele Beziehungen von Paaren aus, die nicht asexuell sind.

ein Beitrag von
Prof. Bernd Kleine-Gunk

Der namhafte Gynäkologe aus Fürth kennt sich mit der schönsten Nebensache der Welt nicht nur fachlich bestens aus, sondern ist auch ein begnadeter Autor mit einem speziellen Humor.

© iStock.com/Diane Diederich

Warum haben wir eigentlich Sex?

Das ist eine buchstäblich existenzielle Frage. Die gängige Antwort lautet: Weil´s Spaß macht und der Fortpflanzung dient.

Beides ist aber nicht notwendigerweise so. Die meisten werden sich an den einen oder anderen Sexualakt erinnern, der nicht unbedingt ein Höhepunkt war und auch nicht zu einem solchen geführt hat. Dies soll uns aber hier im Moment nicht allzu sehr interessieren. Vielmehr wollen wir uns der Frage stellen: Geht Fortpflanzung auch ohne Sex? Die Antwort lautet: Aber ja!

Bakterien und Einzeller brauchen für ihre Fortpflanzung kein andersgeschlechtliches Gegenüber. Sie teilen sich einfach und schon ist der Nachwuchs da. Diese Methode der Fortpflanzung hat durchaus etwas für sich. Keine aufwendige Suche nach dem richtigen Sexualpartner. Kein Beziehungsstress. Vieles wäre in der Tat sehr viel einfacher, hätte die Natur das Prinzip der Fortpflanzung durch Teilung auch auf uns übertragen.

Man stelle sich vor: Abends geht man ins Bett, morgens wacht man auf und liegt neben sich. Natürlich kann man sich dann den Kopf zerbrechen über die Frage: „Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?“ Aber letztlich hätte die Methode doch viele Vorteile. Warum die Natur dann doch noch den Sex erfunden hat – das ist Thema einer anderen Kolumne.

ein Beitrag von
Prof. Bernd Kleine-Gunk

Der namhafte Gynäkologe aus Fürth kennt sich mit der schönsten Nebensache der Welt nicht nur fachlich bestens aus, sondern ist auch ein begnadeter Autor mit einem speziellen Humor.

© OlegD/Shutterstock.com

Die „Erfindung“ des Sex

Fortpflanzung geht auch ohne Sex. Ein Einzeller teilt sich und – schwups – ist auch schon der Nachwuchs da: Zwei neue Einzeller. Zwei Milliarden Jahre ging das so. Auf Dauer ganz schön langweilig.

Dann überlegte sich die Natur: Wie wäre es mal mit einem Vielzeller? Das war eine wirklich kreative Idee. Jetzt konnte man nämlich das Prinzip der Arbeitsteilung einführen. Die wichtigen Erbinformationen blieben weiter in einer Keimzelle. Die anderen Zellen wurden zu Körperzellen. Die konnten sich mit ganz unterschiedlichen Dingen beschäftigen wie Nahrung verdauen, Licht wahrnehmen, Fortbewegung steuern etc.

Evolutionsbiologisch kam damit richtig Schwung in den Laden. Viele lustige neue Lebewesen entstanden. Nur eines war für die vielzelligen Kreaturen nun zunehmend schwierig: Sich durch Teilung zu vermehren. Die Fortpflanzung musste neu organisiert werden. Es entstand - wir ahnen es schon - der Sex. Zwei Vielzeller treffen sich, lassen die Körperzellen weiter ihren Aufgaben nachgehen, verschmelzen ausschließlich die Keimzellen miteinander und zeugen damit Nachwuchs.

Die Erfindung der Sexualität war so genial, dass die Natur sie für die nächsten 1,5 Milliarden Jahre gleich beibehielt. Selbst die Gattung Mensch widmet sich lustvoll diesem Fortpflanzungsprinzip. Einen kleinen Nachteil hat die Sache allerdings. Davon mehr in einer anderen Kolumne.

ein Beitrag von
Prof. Bernd Kleine-Gunk

Der namhafte Gynäkologe aus Fürth kennt sich mit der schönsten Nebensache der Welt nicht nur fachlich bestens aus, sondern ist auch ein begnadeter Autor mit einem speziellen Humor.

© KonstantinChristian/Shutterstock.com

Der Preis der Fortpflanzung durch Sex

Nach 2 Milliarden Jahren Schöpfungsgeschichte haben die Vielzeller eine wunderbare neue Methode erfunden, sich zu vermehren: Fortpflanzung durch Sex.

Die neue Strategie war derart erfolgreich, dass sie gleich von allen anderen Arten (mit Ausnahme einiger Pflanzen) übernommen wurde. Vom Nacktmull über das Hängebauchschwein bis zum Homo sapiens hat sich die Evolution so langsam aber kontinuierlich vorangepimpert. Doch leider hat die Sache einen Nachteil. Werfen wir einen Blick zurück auf die Einzeller. Die hatten zwar gelegentlich auch kein leichtes Leben. Einen geradezu paradiesischen Vorteil allerdings besaßen sie: Sie blieben ewig jung.

Ein Molekularbiologe, der sich unter dem Mikroskop ein Bakterium anschaut, kann darüber viele Aussagen machen. Eines kann er jedoch nicht feststellen: Wie alt das Bakterium ist. Einfacher Grund: Bakterien altern nicht. Wäre ja auch keine wirklich gute Idee. Würden sie das tun und sich am Ende teilen, kämen die zwei neuen Einzeller ja bereits alt zu Welt. Von deren Enkeln ganz zu schweigen.

Altern wurde erst ein Thema als die Vielzeller Keim- und Körperzellen voneinander trennten und ihre Vermehrung auf Sexualität umstellten. Die Keimzelle ist weiterhin zumindest potenziell unsterblich. Die Körperzellen dagegen altern.

Das ist auch der Grund, warum bei uns allmählich die Haare grau werden und wir spätestens mit 60 anfangen können, auf einen Treppenlift zu sparen. Anders ausgedrückt: Altern ist der Preis, den wir für die Erfindung der Sexualität zahlen müssen. Irgendwie schon traurig. Und trotzdem finde ich immer noch: Das war es wert.

ein Beitrag von
Prof. Bernd Kleine-Gunk

Der namhafte Gynäkologe aus Fürth kennt sich mit der schönsten Nebensache der Welt nicht nur fachlich bestens aus, sondern ist auch ein begnadeter Autor mit einem speziellen Humor.

© Africa Studio/Shutterstock.com

Am Finger eines Mannes …

Frauen mögen männliche Männer. Das Hormon, das Männer männlich macht, ist das Testosteron. Woran aber erkennt man nun, ob ein Mann tatsächlich ein echter Testosteronbolzen ist? Am markanten Kinn? An den Muskelpaketen? Am Luxus-SUV?

Alles höchst unsichere Kriterien, sagt die Wissenschaft. Ein äußerliches Merkmal gibt es allerdings, das relativ präzise darauf schließen lässt, wie testosterongeprägt ein Mann tatsächlich ist. Es ist das Längenverhältnis von Zeige- zu Ringfinger. Sprich: Je länger der Ringfinger gegenüber dem Zeigefinger ist, umso höher war offensichtlich bereits im Mutterleib der Testosteroneinfluss. Und der prägt das Gehirn auf männlich. Das trifft übrigens auch auf den weiblichen Teil der Menschheit zu. Frauen, deren Ringfinger den Zeigefinger deutlich überragt, zeigen typisch männliche Eigenschaften wie Dominanz und Durchsetzungsfähigkeit. Umgekehrt sind diese Frauen – Stichwort: Das Schweigen der Männer – zumeist recht wenig kommunikativ.

Wer den Männern genauer auf die Finger schaut, erfährt aber auch noch mehr. Denn hohe Testosteronspiegel machen nicht nur männlich, sie begünstigen darüber hinaus auch polygames Verhalten. Dies ist durch Studien ebenfalls gut belegt: Männer mit besonders langen Ringfingern zeichnen sich nicht unbedingt durch eheliche Treue aus. Wer also seinem Traumprinzen demnächst einen Ring an den Finger stecken will, der sollte bei dieser Gelegenheit auch gleich einmal das Verhältnis zum Zeigefinger überprüfen. Für das intime Verhältnis untereinander könnte das durchaus von Bedeutung sein.

ein Beitrag von
Prof. Bernd Kleine-Gunk

Der namhafte Gynäkologe aus Fürth kennt sich mit der schönsten Nebensache der Welt nicht nur fachlich bestens aus, sondern ist auch ein begnadeter Autor mit einem speziellen Humor.

© Veselin Gramatikov/Shutterstock.com

Treue trotz schlechtem Sex

Heute machen wir mal einen Ausflug in das Sexualleben unserer tierischen Freunde und widmen uns dem Thema: Wie vögeln Vögel? Schon um diesen Satz endlich einmal unterzubringen hat sich die Kolumne für mich gelohnt.

Aber zurück zum Thema. Vögel vögeln eher unspektakulär. Die Männchen besitzen keinen Penis. Daher reiben die Piepmätze bei der Fortpflanzung lediglich ihre sogenannten Kloaken aneinander (Ich weiß, die Sprache der Biologie könnte poetischer sein).

Der Sexualakt selbst ist also nicht wirklich aufregend. Interessant sind eigentlich eher das Vorher und das Nachher. Bei unseren gefiederten Freunden entwickeln vor allem die männlichen Vertreter große Kreativität, wenn es um die Eroberung ihrer Herzensdame geht. Da wird gesungen, gezwitschert und getanzt, was das Zeug hält. Beim Balzen laufen Vögel zu großer Form auf. Erinnert sich noch jemand an die Theorie von der „sexuellen Evolution“? Richtig: Mädels mögen Kunst. Männliche Vögel wissen das und haben vor allen Dingen den Gesang zur Perfektion entwickelt. Es gibt Vögel, die singen tatsächlich schön wie eine Nachtigall.

Und nachher? Bleiben die meisten Vögel zusammen, was im Tierreich sonst nach der Paarung eher selten ist. Aber sowohl das Bebrüten der Eier, als auch die Aufzucht der ewig hungrigen Jungen ist so aufwendig, dass das Weibchen alleine damit überfordert wäre. Hier braucht es wirkliche Teamarbeit. Anders ausgedrückt: Vögel leben häufig als echte Paare zusammen. Manchmal sogar ein Leben lang. Monogamie ist in der Tierwelt sonst ein eher seltenes Phänomen. Vögel sind die große Ausnahme.

ein Beitrag von
Prof. Bernd Kleine-Gunk

Der namhafte Gynäkologe aus Fürth kennt sich mit der schönsten Nebensache der Welt nicht nur fachlich bestens aus, sondern ist auch ein begnadeter Autor mit einem speziellen Humor.

© mandritoiu/Shutterstock.com

Wie affengeil sind Affen?

Was können wir wohl aus dem Triebleben unserer haarigen Vettern über unsere eigene Sexualität lernen? Zunächst einmal etwas, das Anhänger klassischer Zweierbeziehungen wenig begeistern wird: Monogamie ist unter Affen eher selten. Von über 300 Primatenarten hat nur eine einzige – die südamerikanischen Azara Nachtaffen – Sex so, wie es der Vatikan vorschreibt: Nämlich nur zum Zwecke der Fortpflanzung und nur mit einem einzigen Partner. Und was die Nachtaffen treiben, wenn keiner zuguckt, weiß man auch nicht so genau.

Ansonsten geht es bei den meisten Affen eher zu wie im Swinger-Club. Die Umgangsformen sind dabei allerdings ziemlich ruppig. In vielen Fällen müssen erst einmal andere Mitbewerber weggebissen werden, bevor ein Affenmann sich der Dame seines Herzens widmen kann. Und auch diese wird dann meist recht burschikos rangenommen. Vor allem aber ziehen die meisten Affen ihr Nümmerchen in einem Affentempo durch. Nach 5 bis 7 Sekunden ist in der Regel Schluss. Da soll sich noch mal jemand beschweren, dass der Liebesakt unter Menschen häufig nur 3 bis 4 Minuten dauert. Im Affenhaus kämen wir damit ins Guinnessbuch der Rekorde.

ein Beitrag von
Prof. Bernd Kleine-Gunk

Der namhafte Gynäkologe aus Fürth kennt sich mit der schönsten Nebensache der Welt nicht nur fachlich bestens aus, sondern ist auch ein begnadeter Autor mit einem speziellen Humor.

© phloxii/Shutterstock.com

Immer schön die Chlamydien gießen!

Besser ein erregter Bekannter, als ein unbekannter Erreger. Diese Devise haben sich viele Mikrobiologen auf die Fahnen geschrieben. Jetzt stellen sie besorgt fest: Viele altbekannte Erreger sind wieder auf dem Vormarsch. Geschlechtskrankheiten, die wir schon längst als besiegt betrachtet haben, breiten sich in Europa wieder rasant aus. Das gilt insbesondere für die Syphilis und die Gonorrhoe (den Tripper). Aber auch Infektionen mit sogenannten Chlamydien nehmen immer mehr zu. In Deutschland läuft daher zurzeit eine große Aufklärungskampagne zu diesem Thema.

Die scheint auch dringend nötig. Denn eine Umfrage unter englischen Jugendlichen zum Thema Geschlechtskrankheiten erbrachte folgendes Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen glauben, Syphilis sei der Name einer Heavy Metal Band. Die Gonorrhoe halten 30 Prozent für eine Durchfallerkrankung. Und Chlamydien – die Floristen wird’s freuen – ordnen knapp 40 Prozent unter die Zierpflanzen ein.

Beträchtliche Verwirrung herrscht offensichtlich auch, wenn es um den Übertragungsweg geht, also die Art und Weise wie man (beziehungsweise frau) sich eine Geschlechtskrankheit zuzieht. Deutlich mehr als die Hälfte der Jugendlichen gab an, man könne sich auch auf einer öffentlichen Toilette mit einer Geschlechtskrankheit infizieren. Das stimmt nun nachweislich nicht. Es sei denn … Nun ja, es kommt natürlich immer darauf an, wen man auf eine öffentliche Toilette mitnimmt.

ein Beitrag von
Prof. Bernd Kleine-Gunk

Der namhafte Gynäkologe aus Fürth kennt sich mit der schönsten Nebensache der Welt nicht nur fachlich bestens aus, sondern ist auch ein begnadeter Autor mit einem speziellen Humor.

© Kekykela/Shutterstock.com

Im Wald und auf der Heidi

Sommerzeit – Zeit für Outdoor-Sex. Ob im Wald oder auf der Wiese, im Meer oder am Strand – die Freiluftnummer verleiht immer noch das verboten schöne Gefühl, etwas Schönes zu tun, das eigentlich verboten ist.

Doch so wild-romantisch das Liebesspiel unter freiem Himmel auch erscheint – die Folgen sind häufig ziemlich unerotisch. Heimische Wiesen sind zumeist voll von Mücken, Ameisen und sonstigem Krabbelzeugs, das nackte Haut liebt und gerne zusticht. Im Wald drohen Zecken, die anhänglicher sein können als der verliebteste Lover. Und am Strand gibt es nicht nur fiese Sandflöhe. Die Sandkörner selber sind – man sieht das bereits unter der Lupe – kleine Kristalle mit zumeist recht scharfen Kanten. Wenn die in die falschen Körperöffnungen kommen, ist das Gestöhne groß. Und es hat dann meist nur wenig mit sexueller Lust zu tun. Daher gilt als Faustregel für alle erotischen Außenaktivitäten: Decke drunter und Insektenspray drauf. Auch wenn es Aromen gibt, die mehr anturnen.

Was schließlich den Reiz des Verbotenen betrifft: Der ist ziemlich real. Wer sich in Deutschland erwischen lässt, dem droht eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und eine Haftstrafe von bis zu zwölf Monaten. In Italien sind es zwei Jahre, in Rumänien sogar sieben. Straffrei kommt man in Europa lediglich in Norwegen und Finnland davon. Aber da gibt es auch wieder mehr Mücken.

ein Beitrag von
Prof. Bernd Kleine-Gunk

Der namhafte Gynäkologe aus Fürth kennt sich mit der schönsten Nebensache der Welt nicht nur fachlich bestens aus, sondern ist auch ein begnadeter Autor mit einem speziellen Humor.

© bikeriderlondon/Shutterstock.com

Good Vibrations

Das männliche Geschlecht wird zunehmend ersetzbar. Bitte lest diesen Satz jetzt noch einmal und nehmt ihn dann ganz wörtlich.

Tatsache ist: Sexspielzeug kommt immer mehr aus der Schmuddelecke heraus und erfreut sich einer zunehmenden Beliebtheit. Wo sich früher brave Hausfrauen trafen, um bei Tupperpartys Plastikdosen zu erwerben, treffen sich heute freche Mädels zum Home-Shopping mit Dildos, Vibratoren und Liebeskugeln.

Das hat offensichtlich eine lange Tradition. In einer eiszeitlichen Höhle bei Ulm entdeckten Archäologen im Jahre 2004 das wahrscheinlich älteste Sexspielzeug überhaupt. Der intensiv polierte und gravierte Penis aus Stiltstein wurde auf ein Alter von 28.000 Jahren geschätzt. Irgendwie mussten sich die Steinzeitfrauen ja auch vergnügen, wenn ihre Männer Mammuts jagten.

Viele Jahre war dann das Standardmodell in deutschen Schlafzimmerschubladen der Billigvibrator aus Fernost für 12 Euro, der sich vor allem durch ein lautes Motorengeräusch und einen intensiven Plastikgeruch auszeichnete.

Freundinnen des gehobenen Erotikgenusses können inzwischen aber auch den „Deluxe G-Punkt Silikonvibrator Wunderwelle“ bestellen. Nach Aussagen des Herstellers wurde dieser „in Zusammenarbeit mit einem deutschen Mediziner nach neusten Erkenntnissen entwickelt“. Tsts – was die Kollegen so alles treiben.

Wer’s gern ein wenig teurer mag, kann bei einem exklusiven Online-Erotikshop auch einen 18 Karat vergoldeten Vibrator bestellen. Der edle Freudenspender kostet schlappe 11.995 Euro. Da lässt schon alleine der Preis stöhnen.

Müssen wir Männer uns angesichts eines solchen Angebotes ernsthaft Sorgen um unsere Zukunft machen? Ich glaube nicht. Solange Dildos keinen Rasen mähen, werden wir noch gebraucht.

ein Beitrag von
Prof. Bernd Kleine-Gunk

Der namhafte Gynäkologe aus Fürth kennt sich mit der schönsten Nebensache der Welt nicht nur fachlich bestens aus, sondern ist auch ein begnadeter Autor mit einem speziellen Humor.